Der Polarstern: wie man ihn findet und warum er sich nicht bewegt

So finden Sie den Polarstern in zwei Schritten über den Großen Wagen, warum sich der ganze Himmel um ihn dreht, wie Seefahrer ihn nutzten und warum er nicht für immer Polarstern bleibt.

Geprüft: 29. Oktober 2026

Der Polarstern ist nicht der hellste Stern am Himmel, sondern nur etwa der 48.-hellste. Besonders macht ihn seine Lage: Er steht weniger als ein Grad vom Himmelsnordpol entfernt, dem Punkt direkt über dem Nordpol der Erde. Während sich die Erde dreht, kreisen alle anderen Sterne um ihn, nur der Polarstern bleibt stehen.

In zwei Schritten zum Polarstern

  1. Suchen Sie den Großen Wagen, die sieben hellen Sterne im Großen Bären. In Mitteleuropa geht er nie unter; im Frühling steht er abends am höchsten, im Herbst am tiefsten.
  2. Folgen Sie den Hinterrad-Sternen. Die beiden Sterne an der hinteren Kante des Wagenkastens, Dubhe und Merak, zeigen auf den Polarstern. Verlängern Sie ihren Abstand etwa fünfmal, und Sie treffen auf einen mäßig hellen, einsamen Stern: den Polarstern an der Deichselspitze des Kleinen Wagens.

Ist der Große Wagen verdeckt, hilft die Kassiopeia, das „Himmels-W“ auf der anderen Seite. Der Polarstern liegt ungefähr zwischen beiden.

Warum er stillsteht

Die Erdachse zeigt fast genau auf den Polarstern. Am Nordpol steht er im Zenit, am Äquator auf dem Horizont. Seine Höhe über dem Horizont entspricht Ihrer geografischen Breite: rund 52° in Berlin, 48° in München, 60° in Oslo. Seefahrer bestimmten so jahrhundertelang ihre Breite mit dem Sextanten.

Langzeitbelichtungen in Richtung Polarstern verwandeln alle anderen Sterne in Kreisbögen um ihn. (Tippen Sie auf dieser Seite polaris, um eine kleine Version zu sehen.)

Nicht für immer der Polarstern

Die Erdachse taumelt wie ein Kreisel und beschreibt in etwa 26.000 Jahren einen Kreis am Himmel. Das nennt man Präzession. Um 2100 kommt der Polarstern dem Pol am nächsten, etwa 0,45°. Vor 5.000 Jahren, zur Zeit der Pyramiden, war Thuban im Drachen der Polarstern. In etwa 12.000 Jahren wird es Wega sein, viel heller als der heutige Polarstern.

Die Südhalbkugel hat keinen hellen Polarstern

Am Himmelssüdpol steht nur der schwache Stern Sigma Octantis. Auf der Südhalbkugel findet man den Pol über das Kreuz des Südens: dessen Längsachse etwa viereinhalbmal Richtung Horizont verlängern.

Was der Polarstern wirklich ist

Ein gelblich-weißer Überriese in etwa 433 Lichtjahren Entfernung, rund 2.000-mal leuchtkräftiger als die Sonne. Er ist ein Dreifachsystem und ein Cepheid, dessen Helligkeit alle vier Tage leicht pulsiert. Das Licht, das Sie heute Nacht sehen, verließ ihn um das Jahr 1590.